Grau ist alle Theorie. Bunt ist die Schar der rund 15 Damen und Herren, die sich in Steyr im Gasthaus Zöchling zu einem Infoabend des „Staatenbundes Österreich“ (Sektion Oberösterreich) zusammenfinden. Wir nutzen die Gelegenheit, Souveräne live zu erleben.

Joe Welser wird zu uns sprechen, sagt eine Dame mit einer dicken Mappe mit wertvollen Inhalten. Zu der kommen wir noch.

„Joe Welser“ kommt ebenfalls mit einer dicken Mappe und dann folgen 120 Minuten knallharte Fakten. Die kennt, wer die souveräne Kasperlwelt kennt, zur Genüge, trotzdem nochmals in Kürze die Inhalte:

Jeder Mensch besitzt eigentlich bei seiner Geburt über rund 10 Milliarden Euro Guthaben. Leider, leider darüber verfügen nur Falotten, die uns versklaven. Österreich und Deutschland sind seit dem zweiten Weltkrieg im Krieg mit 190 Staaten. Allerdings ist Österreich eine Firma, und kein Staat. Der Euro gehört uns nicht und ist wertlos. Er gehört – wie könnte es anders sein – „den Rotschilds“ und ein paar weiteren Familien.

Das sind nach solider Hartwährungspolitk aus

Nicht wertlos ist der „Österreicher“, der uns in Kürze als eigene Währung zur Verfügung steht. Ein Spielverderber im Publikum will wissen, wie und ob der „Österreicher“ gewechselt wird. Welser runzelt die Stirn und sagt: „So wie es derzeit ausschaut, 1:1 zum Euro.“ Er sagt das, als würde er ein Staatsgeheimnis aus der „Staatenbund Staatsbank“ ausplaudern. Der „Österreicher“ wird – weil sich die Rothschilds und Co. damit keinen Karl mehr machen können – gerecht verteilt. 2.000 pro Nase pro Monat. Bedingungsloses Grundeinkommen a la Staatenbund. Steuern: 10 Prozent auf Gewinn, und aus. Das sieht alles nach einer tollen Hartwährungspolitik aus. 

 Die Sache ist bald aus dem Sack. Ab 28. Oktober wird der Staatenbund Realität. „Monika Ungar und ihr Team arbeiten mit Hochdruck an der Verfassung“, sagt „Joe Welser“. Mittlerweile ist die fertig und veröffentlicht. Wir wissen nun, dass alle Parlamente, die EU und die Regierungen „aufgelöst“ sind, ebenso wie der Vatikan, die City of London und Washington DC. Die Justiz habe ihre Arbeit sofort einzustellen. […]

Richter werden verhaftet  

Den Richtern geht es an den Kragen. „Die werden wir alle verhaften müssen“, sagt Joe im Festsaal der Gasthauses staatstragend und meint mit wir die Polizei gleich mit. Die werden den Job nämlich erledigen. Die kochten nämlich schon und warteten nur darauf, endlich auf der richtigen Seite zu stehen. Der Beweis: Ein Kärntner Polizist, der sich als Souverän geoutet hat und seitdem suspendiert ist. Das „Interview“ mit der Staatenbund-Meisterin Monika Ungar spricht Bände. […] Und nein: das ist kein Auszug aus den Proben zum Villacher Fasching.

Ich nenne etwas besorgt den Namen eines Richters am Landesgericht Steyrs und frage besorgt: Wird der auch verhaftet. „Joe Welser“ senkt den Blick und macht keine falschen Hoffnungen: „Ja, wahrscheinlich werden wir den auch verhaften müssen.“ Die Stimme wird ernster und tiefer.

In eventu: Vielleicht liefert Putin Beistand

Sollte die österreichische Polizei versagen, wäre für Ersatz gesorgt. Schon im Juni haben unsere wackeren Staatsgründer beim „Sehr geehrten Herrn Dr. Putin“ per Brief um „militärischen Beistand“ angesucht.    

 „Auch ersucht der Versammlungsrat…des Staatenbundes Österreichs um Einsatz russischen Militärs zur Unterstützung und Durchführung von juristischen Entscheidungen des Völkerrechts-Gerichts bis sich die Staatenbildung voll etabliert hat…“ […]

 

Ab 20 Euro bist Du dabei

Wir sehen, alles ist auf Schiene. Bis 28. Oktober könne über die Verfassung noch abgestimmt werden- Ich frage höflich, wie und wo? Jetzt kommt die dicke Mappe der Assistentin ins Spiel. In der Mappe sind allerhand Antragsformulare für unser neues, freies und souveränes Völkerrechtsgebilde. Die „Befreiungsbestätigung“ (mit der ich Österreich „Adieu“ sage) kostet schlappe 20 Euro. Ein paar im Saal unterzeichnen sogleich fröhlich. Kassiert wird bar und in der Schandwährung Euro. Von der Registrierkassenpflicht scheint der „Staatenbund Österreich“ abzusehen. Bei den etwas kostspieligeren Anträgen für Ausweise und ein neues (!) Kfz-Kennzeichen (100 Euro aufwärts) zögern auch die Begeisterten unter den Zusehern noch etwas.  

 

 

 

Advertisements