Der Prinz von Wales. Er mag
Der Prinz von Wales. Er mag „Komplementärmedizin“, die Komplementärmedizinforschung weniger. (c) Dan Marsch, Wikimedia Commons

Österreichs Nachrichtenmagazin Nummer Eins hat sich wieder einmal dem Thema „Alternativmedizin“ gewidmet. Der Aufmacher „Alternativmedizin kann tödlich sein“ ist einigermaßen provokant. Die Reaktionen der Anhänger diverser Pseudomedizin-Schulen in den Sozialen Medien und Kommentarspalten lassen den Pawlowschen Hund als reflektiertes Geschöpf erscheinen. Profil habe sich halt wieder einmal von „Big Pharma“ kaufen lassen, so der Tenor.

Kaufen sollte man tatsächlich etwas – nämlich diese Ausgabe des Profil (21 / 2015). Der Artikel – und das ist vor allem das Interview mit Edzard Ernst, Professor für Komplementärmedizin, – ist jedenfalls empfehlenswert. Das  Interview steht leider nur in der Printausgabe zur Verfügung. Die Pseudomedizinfreunde werden es nicht lesen. Ernst zieht nach 40 klinischen Studien und 300 Reviews eine Bilanz – die Akkupunktiur, Geisterheilungen, Pflanzenheilkunde, Bachblüten, Homöopathie und Chirotherapie durchaus differenziert bewertet.

20 Jahre hat Ernst im britischen Exeter geforscht. Dann ist seinem Institut das Geld abgedreht worden von einem nicht ganz einflusslosen Anhänger der Pseudomedizin: Prince Charles. Dessen Faible für Pseudomedizin hat ihm wiederholt einen Kelch mit der Wissenschaft beschert […].

Ein paar Aussagen Ernsts aus dem Interview:

„Die Alternativmedizin strotzt nur so von Widersprüchen. Was Homöopathen behaupten, ist nicht im Einklang mit den Vorstellungen der Akkupunkteure, und was Chiropraktiker annehmen, widerspricht den Konzepten der chinesischen Medizin.“

In der Alternativmedizin wird sehr viel Geld verdient. Wenn Dir jemand zeigt, dass bestimmte Verfahren Humbug sind, wird er natürlich angefeindet. Hinzu kommt, dass sich die Alternativmedizin als Alternative zum wissenschaftlichen Establishment versteht, Viele Anhänger sind ausgesprochene Antiwissenschafter, die in der Wissenschaft vor allem eine Gefahr sehen.“

„Für mich liegt nach so vielen Jahren  des Umgangs mit der Szene auf der Hand, dass viele Proponenten die Alternativmedizin als eine Art Ersatzreligion adoptiert haben. in solchen Fällen ist mit Vernunft leider gar nichts mehr auszurichten.“

„Ich hatte ursprünglich gemeint, dass es in der Alternativmedizin viele Schätze zu heben gibt. Es stellte sich allerdings heraus, dass es doch nur einige wenige sind.“ 

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